Das Hauptaugenmerk ist blau

Ein wenig vorbelastet ist er schon, gibt Michael Forster zu. Bereits sein Vater war beim Technischen Hilfswerk (THW), seine Brüder sind Mitglieder und der damalige Zugführer ist sein Taufpate.

„Das THW war wie eine große Familie“, erinnert er sich. Bereits als Junge durfte er im Zug mit, nur selten nahm er an der Jugendgruppe teil. Dass er schon so lange Mitglied beim THW ist, begründet er mit der guten Kameradschaft. „Die Zugführer haben mich als jüngstes Mitglied immer gut akzeptiert“, erinnert er sich. Er habe von Anfang mitarbeiten können. Jedes Jahr erlebe er interessante Sachen und könne Menschen helfen, sagt Forster. Für sein Engagement überreicht Staatssekretär Dr. August Henning Michael Forster heute das THW-Ehrenzeichen in Bronze.

Die Arbeit beim THW ist seine Leidenschaft, das merkt man bei jedem Satz seiner Erzählungen. Und zu erzählen hat er viel. 1992 war Forster für die Kurdenhilfe im Iran. Damals steckte das THW noch in den Kinderschuhen, was die Auslandserfahrung betrifft, sagte er. Die rund 80 THW-Mitglieder haben in Zelten in einem Camp geschlafen. Ihre Hauptaufgabe war, die Flüchtlinge mit Trinkwasser zu versorgen. „Manchmal hat das Militär die Flüchtlingslager von heute auf morgen vereinnahmt“, erzählt Forster. Dann seien die Flüchtlinge und Helfer weitergezogen. Improvisation war das Gebot der Stunde. „Wir haben aus Plastikflaschen Schwimmerschalter gebaut, damit die Wasserbecken beim Einfüllen nicht überlaufen“, erinnert sich Forster. Durch die Hitze seien auch die Aggregate zum Teil kaputt gegangen. Ersatzteile zu beschaffen war kaum möglich. Da war Erfindungsreichtum gefragt. Für den ist er bei seinen Kollegen bekannt. Wenn man handwerklich geschickt sei, werde man bei technischen Sachen gerne herangezogen, sagt Forster lachend.

Einmal musste er nach Frankreich zu einem Hilfseinsatz. Als er ankam, war das Aggregat kaputt und er musste gleich wieder zurück nach Deutschland. „Da bin ich innerhalb von 24 Stunden nach Frankreich und wieder zurück“, sagt er.

Seit 1992 ist Forster mit dem Aufbau und der Betreuung der Bergungstauchergruppe beschäftigt. Das ist derzeit seine Hauptaufgabe beim THW. Zwölf Taucher übernehmen die örtliche Gefahrenabwehr. In ganz Bayern gibt es acht solcher Tauchgruppen. 2006 mussten sie ein Flugzeug bergen, das bei Straubing in einen Baggersee abgestürzt war. Erst kürzlich haben sie Teile einer alten Brücke in Landshut gefunden. Langeweile komme bei der Arbeit im THW nicht auf.

Freizeit ist bei ihm relativ dünn gesät, wie er zugibt. Neben dem THW ist Forster auch Atemschutzbeauftragter in der Freiwilligen Feuerwehr Ast. Außerdem fährt er ein Löschfahrzeug für die Feuerwehr Wolfgangssiedlung. „Aber das Hauptaugenmerk ist blau“, sagt er lachend. Die wenige Zeit, die ihm bleibt, verbringt er mit seiner Familie. Auch am Haus gibt es immer wieder etwas zu tun. Wenn er doch einmal Zeit findet, gibt es bestimmt jemand, der Hilfe braucht. „Aber das mache ich gerne“, gibt er zu. Ebenso, wie die Arbeit im THW. „Ohne die, fehlt etwas. Da wird der Urlaub fast zu lang“, sagt er lächelnd. Seine Leidenschaft hat er vererbt: Seine Tochter ist bereits Mitglied in der Jugendgruppe.

Landshuter Zeitung 21.11.2009