Mit Helm, Funk und Dusche
Die neue Ausrüstung der THW-Bergungstaucher im Test auf der Niederbayern-Schau. Ich sehe nichts. Die Scheibe meines Helms ist angelaufen. Einen Scheibenwischer gibt es nicht, allerdings eine Sichtdusche. Sie sorgt für klaren Durchblick. Ein kurzer Griff an den Drehknopf, und ich sehe den Taucher neben mir wieder klar und deutlich und nicht mehr nur schemenhaft. Jetzt erkenne ich auch die Besucher auf der anderen, trockenen Seite des Taucherbeckens, die mir zuwinken. Die Bergungstaucher des Technischen Hilfswerks (THW) haben eine neue Helmtauchausrüstung. Und ich kniee im Becken der Niederbayern-Schau, um sie zu testen.

Eigentlich testet sie eher mich. "Mit Tauchen hat das wenig zu tun, eher mit Arbeit", sagt ein THW-Mitglied. Und hat damit durchaus recht. Schon das Anziehen ist richtig Arbeit - nicht für mich, aber für die drei Helfer, die versuchen, mir den Vollgummi-Anzug anzuziehen. Dieser ist vollkommen dicht, ich werde kein Tröpfchen Wasser abbekommen. Deshalb kann ich auch all meine Herbst-Klamotten darunter anbehalten. Um den Stand sammelt sich ein Häufchen Neugieriger. Sie beobachten, wie die Helfer Schnallen zuziehen und Schläuche anlegen.

Herzstück der Ausrüstung ist ein knallgelber, 15 Kilogramm schwerer Helm. Er ist zwar innen dick gepolstert und mit allerlei Technik ausgestattet, erinnert mich aber dennoch etwas an die Taucherhelme der Pionierzeit dieser Sportart. Ich werde verkabelt und verschlaucht; nicht nur die Pressluft zum Atmen bekomme ich von außen, ich bin zudem über Funk mit der Außenwelt verbunden. Jetzt bin ich fertig dafür, das Tauchbecken zu erklimmen. Das ist gar nicht so einfach mit einem 15 Kilogramm schwereren Kopf und all der Ausrüstung. Selbst beim Einsteigen greifen mir die freiwilligen Helfer noch unter die Arme. Ich plumpse ins Wasser - 15 Kilogramm Blei in meinen Taschen sorgen dafür, dass ich untergehe. Das Blei zieht nach unten, der Helme nach oben. Ein ungewohntes Gefühl. Mit Tauchen hat das wirklich nicht viel gemeinsam, schon deshalb nicht, weil ich mit beiden Beinen ohne Flossen auf dem Grund stehe.

Langsam gewöhne ich mich an das Gefühl, der Wasserdruck presst den Gummianzug an meinen Körper. Wäre ich ein THW-Mitglied, müsste ich jetzt den Neugierigen auf der anderen Seite zeigen, wie man unter Wasser schweißt oder schneidet. Ich aber kämpfe mit meiner Ausrüstung, leuchte meinen Tauchpartner an und spiele mit den viel zu großen Handschuhen. Die üblichen Taucherzeichen bringe ich damit nicht zustande. Gut, dass ich den Funk habe, um mich mitzuteilen. Ich will nach oben. Nach mir steigt der Leiter der Tauchgruppe, Rudolf Hattenkofer, mit derselben Ausrüstung ins Becken. Er zeigt bei einer so genannten Prime-Cut-Vorführung, für welch Arbeiten das neue Helmtauchgerät geeignet ist. Er schneidet unter Wasser Eisen mit einer Sauerstofflanze, die mit 5000 Grad brennt. Hattenkofer bewegt sich ganz langsam und arbeitet sehr konzentriert. Die Sicht unter Wasser wird immer schlechter. Das ist durchaus realistisch: Die Bergungstaucher des Technischen Hilfswerks tauchen nicht zum Spaß, sondern meist in Notfällen. An Wehranlagen oder auch mal in Kläranlagen - und dort sieht man nichts. Gar nichts.

Das neue Gerät, das durch Spenden und Fördergelder angeschafft wurde, hat im Vergleich zur alten Ausstattung diverse Vorteile. Allen voran schützt es besser vor Kälte. Oft arbeiten die THW-Taucher bei Wassertemperaturen von fünf Grad und weniger. Bisher taten sie dies mit Vollgesichtsmasken, und nicht selten drang da etwas Wasser ein. Weil der Anzug und der Helm nun hundertprozentig dicht sind, schützen sie nicht nur vor Kälte, sondern auch vor verschmutztem Wasser. Denn bei Einsätzen der THW-Helfer kann das Wasser auch Säuren, Öle oder Bakterien enthalten. Zudem gibt der Helm Sicherheit vor Kopfverletzungen und schützt bei Schneid- und Schweißarbeiten. Weil der Taucher von der Oberfläche aus mit Luft versorgt wird, kann er zudem länger unter Wasser bleiben.

Sigrid Hagl

Bericht: Landshuter Zeitung 03.10.2005
Bilder: Landshuter Zeitung 03.10.2005