Blaue Augen und nasse Keller
Die Katastrophe blieb aus, aber mindestens 400 Haushalte wurden nass. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Oberbürgermeister Hans Rampf. Im Alten Plenarsaal waren Vertreter der beteiligten Einrichtungen zusammengekommen, um eine Bilanz des Hochwassers zu ziehen. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen, wohl aber standen zahlreiche Keller unter Wasser. 400 Betroffene haben sich gemeldet.

"In Landshut hat es nur sehr wenige Betroffene durch Oberflächenwasser gegeben", sagte Walter Blaschke, der stellvertretende Leiter des Hauptamts. Es haben sich aber rund 400 Bürger gemeldet, deren Keller unter Wasser standen.
"In der Summe haben wir wohl weniger Schäden als 1999." Das liege zum einen daran, dass viele Bürger in den betroffenen Gebieten nach dem Pfingsthochwasser vor sechs Jahren ihre Keller nicht mehr so ausgebaut haben, zum anderen daran, dass sich viele eine eigene Pumpe zugelegt haben, mit denen sie das Wasser aus dem Haus schaffen. Die Entsorgung von durch das Wasser unbrauchbar gewordenen Gegenständen sei Privatangelegenheit.
Johannes Schmuker, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, sagte, das Hochwasser sei in etwa vergleichbar mit dem vor sechs Jahren. Drei Dinge seien dafür verantwortlich, dass die Stadt nicht überschwemmt wurde: "Der Sylvensteinspeicher war das Entscheidende, um das Isartal vor der Katastrophe zu schützen", die Auwälder hätten die Hochwasserspitze abgefangen, und schließlich sei auch die Flutmulde "gut voll" gewesen, sogar so voll wie nie zuvor. Das dadurch aufsteigende Grundwasser sei übrigens auch in den Keller des Wasserwirtschaftsamt eingedrungen.

Höchststand 3,86 Meter

Abteilungsleiterin Antje Uhl, beim Wasserwirtschaftsamt für Stadt und Landkreis Landshut zuständig, ergänzte: Den Höchststand habe die Isar beim Pegel Birket mit 3,86 Metern in der Nacht auf Donnerstag erreicht. Die Flutmulde stand insgesamt fünf Tage lang unter Waser. Das Sektorwehr knapp unterhalb des Flutmuldeneinlaufs sei allerdings nicht hochgefahren worden. Mit ihm hätte man den Zulauf in die Flutmulde noch erhöhen können, falls die beiden Isararme ernstlich überlastet gewesen wären. Unermüdlich im Einsatz waren während des Hochwassers die Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW). Stadtbrandrat Erich Gahr sagte, die Bevölkerung habe die Warnungen sehr positiv aufgenommen. Noch am Dienstag Abend waren Lautsprecherwagen der Feuerwehr durch die gefährdeten Stadtteile gefahren und haben die Bewohner informiert. "Die Menschen, die schon mal Wasser im Keller hatten, haben sich eingerichtet."
Am Dienstag und Mittwoch haben Feuerwehr und THW Sandsäcke an der Isarpromenade aufgeschichtet, am Donnerstag um 6 Uhr erreichte die Isar ihren Höchststand, danach entspannte sich die Lage allmählich. Seit Montag laufen die Aufräumarbeiten, sagte Gahr. Michael Saller, stellvertretender Ortsgruppenbeauftragter des THW, dankte vor allem den Arbeitgebern, die den freiwilligen Helfern freigegeben haben, als die Alarmierung kam; ein Dank, dem sich Erich Gahr für die Feuerwehr anschloss. Johann Heinrich, der Leiter des Amts für Zivil- und Katastrophenschutz, sagte, besondes wichtig sei die Prognose des Wasserwirtschaftsamts gewesen. So hätten die Bürger rechtzeitig gewarnt werden können.

Gefährliche Schlauchbootfahrt

Für die Polizei habe das Hochwasser kaum Mehrarbeit gebracht, sagte Wilhelm Hess, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion. Verärgert zeigte er sich aber über drei Jungen, die mit einem Schlauchboot auf dem Hochwasser der Flutmulde gefahren waren. "Man sieht, dass die Unvernunft keine Grenzen kennt."
Oberbürgermeister Hans Rampf sagte, seine Rolle bei der Versammlung bestehe vor allem darin, denjenigen zu danken, die in den vergangenen Tagen so gut zusammengearbeitet haben. Man sei in Landshut zwar mit einem blauen Auge davongekommen, aber: "Sollte es schlimmer werden, haben wir in Landshut ein Problem." Er kündigte an, bei künftigen Baumaßnahmen werde man neue Kriterien beim Hochwasserschutz ansetzen.

Philipp Seidel

Bericht: Landshuter Zeitung 31.08.2005
Bilder: Landshuter Zeitung 31.08.2005