Der Auwald schluckt die große Welle
Die Nacht auf Mittwoch verlief ruhig - bisher sind keine Keller vollgelaufen. Wasserwirtschaftsamt rechnet vorläufig nicht mit hoher Pegelspitze. Es sieht so aus, als könnte die große Welle ausbleiben. Offenbar hat der Auwald in Höhe des Uppenborn-Kraftwerks eine enorme Menge des Wassers aufgenommen, mit dem man bisher in Landshut gerechnet hatte. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) hatten Dienstag Abend vorsorglich Tausende von Sandsäcken an der Isarpromenade ausgelegt. Dort kam gestern Nacht noch einmal Bewegung auf, als Feuerwehr und THW mit großem Einsatz die Sandbarrieren verstärkten.

Die für gestern Nachmittag erwartete Hochwasserspitze ist ausgeblieben. Beim Wasserwirtschaftsamt stand man zunächst vor einem Rätsel: Nach den Prognosen hätten 300 Kubikmeter pro Sekunde mehr Wasser fließen sollen, sagte Peter Staudinger. Dann sei man darauf gekommen, dass dieses Wasser offensichtlich vom Auwald beim Uppenborn-Kraftwerk aufgenommen wurde, bevor es in der Stadt für Überschwemmungen hätte sorgen können. Gestern Abend gab Staudinger vorläufig Entwarnung: "Die Spitze, die uns Kopfzerbrechen bereitet hat, ist uns genommen." Größere Mengen Wasser erreichen die Stadt nach Staudingers Einschätzung erst, wenn der Auwald gesättigt ist. Die kämen aber entweder gar nicht mehr oder mit einer Verzögerung.

Auch die Nacht auf Mittwoch war zuvor ruhig verlaufen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk hatten entlang der Isarpromenade vorsorglich mehrere tausend Sandsäcke aufgeschichtet; der Abschnitt zwischen Luitpoldbrücke und Ländsteg gilt bei Hochwasser als besonders gefährdet. Von 18 Uhr bis in die Nacht hinein befüllten über 100 Hilfskräfte von THW und Feuerwehr Sandsäcke, fuhren sie an die Isar und stapelten sie übereinander. Die Feuerwehr hat nach Angaben von Stadtbrandrat Erich Gahr gestern zudem rund 750 Sandsäcke an die Bevölkerung ausgegeben. Der Löschzug Rennweg fuhr seit Dienstag Nachmittag "Dammwache": Er kontrollierte den Zustand der Dämme auf einem kilometerlangen Isarabschnitt.

Gestern Abend kam noch einmal Bewegung auf an der Isarpromenade. Feuerwehr und THW waren mit zahlreichen Fahrzeugen und Leuten vor Ort, um die Sandbarrieren vom Vortag zu verstärken. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, erklärte Stadtbrandrat Gahr gestern Nacht bei Redaktionsschluss. Er rechne nicht damit, dass die Isar noch viel höher steige. Rund um die Einsatzorte standen Passanten am Ufer und beobachteten das Geschehen.

Auch wenn die große Welle gestern ausgeblieben ist, besteht nach wie vor die Gefahr, dass Keller voll Wasser laufen. Wenn der Isarpegel längere Zeit stark erhöht ist, steigt mit einiger Verzögerung auch der Grundwasserspiegel an. Dieses Wasser könnte dann in einigen Teilen der Stadt in die Keller eindringen.

Viel Lob erfuhr in den vergangenen Tagen die Flutmulde, die all das Wasser außerhalb des Zentrums durch die Stadt ableitet, das die große und die kleine Isar alleine nicht mehr fassen können. "Man müsste dem", sagte zum Beispiel gestern Johann Heinrich, der Leiter des Amts für Zivil- und Katastrophenschutz, "der die Flutmulde gebaut hat, ein Denkmal setzen."

Philipp Seidel

Bericht: Landshuter Zeitung 26.08.2005
Bilder: Landshuter Zeitung 26.08.2005