Von guter Isarluft und gar nicht wilden Tieren
Eine Entdeckungsreise am Wasser zeigte auf, welche Vorzüge eine Stadt am Fluss hat. "Erleben Sie die Isar" - so ist eine Veranstaltungsreihe der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung überschrieben. Das Wasserwirtschaftsamt Landshut organisierte dieser Tage einen Spaziergang durch die Stadt, bei dem dieses Leitmotiv durchaus wörtlich zu nehmen war: Die Fachleute zeigten, wie viel Leben in der Flutmulde, an und in der Isar ist, und was es für eine Stadt heißt, sich an einen Fluss zu schmiegen.

Am Samstagvormittag versammelte sich ein Häufchen Interessierter in der Flutmulde zur Entdeckungsreise. Das Wasserwirtschaftsamt hatte diese anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Flutmulde in ihrer jetzigen Form organisiert. Noch während Antje Uhl, WWA-Abteilungsleiterin für Stadt und Landkreis, an zwei Stellwänden den Hochwasserschutz erklärte, ließ sich unmittelbar neben den rund 20 Teilnehmern eine Wildenten-Familie nieder. Die quakten lustig vor sich hin und ließen sich dabei überhaupt nicht von den Besuchern stören. Sie warteten auf Futter. Die Enten zu füttern sei aber falsch verstandener Naturschutz und aber den Naturkreislauf, sagte Markus Heim, Biologe am Wasserwirtschaftsamt. Die Teilnehmer schlenderten die Pfettrach entlang, die seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr schnurgerade durch die Stadt läuft, sondern sich wieder schlängeln darf: Im Rahmen der Renaturierung wurde sie aus ihrem starren Korsett befreit. Die Natur hat dies freudig angenommen. In weiten Teilen ist das Ufer nicht befestigt, der Bach kann wieder arbeiten. Und das tut er ganz kräftig: Er holt sich Kies, den diverse Fische zum Laichen brauchen. An anderen Stellen wieder fällt das Ufer steiler ab - ein wichtiger Lebensraum für den Eisvogel. Dort, wo die saftige Wiese in Ufervegetation übergeht, ragen knallgelbe Schwertlilien empor. Wo die Struktur vielfältig sei, könne sich auch viel Leben entwickeln, sagten Hans Ritthaler und Josef Gschwendtner vom Amt für Naturschutz.

Aber nicht nur an der Pfettrach, sondern auch in dem Bächlein gedeihen die Pflanzen ganz prächtig. So prächtig, dass sie regelmäßig gemäht werden müssen: Weil die Pfettrach aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht beschattet ist, wuchern die Wasserpflanzen derart, dass sie gekürzt werden müssen. Rund 12 000 Tierarten leben in und an den bayerischen Gewässern; einige davon lernten die Spaziergänger kennen, als ein WWA-Mitarbeiter zeigte, wie die Gewässergüte bestimmt wird. Dazu striff er mit einem Sieb über den Boden der Pfettrach. Steine und Pflanzen verfingen sich darin, aber auch Tierchen. Es kreuchte und fleuchte in dem Sieb. Wasserkäfer, Egel, Bachröhrenwürmer, Bachflohkrebse zog er heraus. Finden sich auch empfindliche Lebewesen (wie bestimmte Eintagsfliegenarten), muss die Gewässergüte gut sein. Die der Pfettrach beträgt zwei: mäßig belastet. Aber nicht nur die diversen Tiere fühlen sich in der Flutmulde wohl, sondern besonders auch die Landshuter Bürger. Der Grünstreifen, der sich mehr als sechs Kilometer durch die Stadt zieht, ist in den vergangenen 50 Jahren auch zum Sport- und Erholungspark geworden. Da trainieren Basketball- und Fußballspieler, und durchstreift schon mal ein Golfer das (hohe) Grün. Den fast frisch geteerten Weg entlang des Abwasserkanals teilen sich Radfahrer, Jogger und Blader. Bei der Unterführung am ehemaligen Roederstein-Parkplatz verließen die Spaziergänger die Flutmulde und wanderten durch die Stadt zum Maxwehr. Viele warfen zum ersten Mal einen Blick ins Innere dieses Wehrs, schauten sich das Schwemmgut und die Rechenanlage aus der Nähe an und hielten sich ob des ohrenbetäubenden Lärms die Ohren zu. Stellvertretender E-Werk-Leiter Manfred Eckl verglich das Maxwehr mit einem Schiff - "nur halten wir das Schiff fest und lassen die Schraube laufen".

Die Isar dient aber nicht nur zur Energieerzeugung. Im Laufe des Spaziergangs erfuhren die Teilnehmer auch von vielen weiteren Vorzügen, die eine Stadt am Fluss hat; die Isar ist Lebensraum für die Tierwelt und Erlebnisraum für die Menschen. Sie können an der Isar laufen, radeln, sitzen und sich erholen. Nur eines wird man auf Höhe Landshuts auch in den nächsten Jahren in der Isar nicht können: baden. Während die Münchner den Fluss zu ihrem größten Schwimmbad gemacht haben, gilt in Landshut nach wie vor ein Badeverbot. Das Problem ist die Amper: Sie fließt entlang vieler landwirtschaftlicher Flächen und bringt Schadstoffe mit in die Isar.

Nicht zuletzt dient die Isar als Ventilator: Wie Hans Ritthaler sagte, sorgten Flüsse für frische Luft in den Städten - was nicht zuletzt in Zeiten der Feinstaub-Debatten wichtig sei. Seinen Worten nach sind Flüsse hindernisfreie, ebene Bahnen; durch sie kann frische Luft in die Städte strömen und sich verteilen. So hat das Klimagutachten ergeben, dass selbst durch das kleine Apothekergässchen Isarluft in die Altstadt strömt. Welch beruhigende Wirkung ein Fluss hat, erfuhren die Teilnehmer abschließend bei einer Fahrt auf der Isar. Es ging in Booten des Technischen Hilfswerks flussaufwärts, bis das Uppenborn-Werk den Weg versperrte.

Sigrid Hagl

Bericht: Landshuter Zeitung 15.06.2005
Bilder: Landshuter Zeitung 15.06.2005