Landshut - München - New York
d.i.e.film.gmbh produziert für das ZDF einen Zweiteiler um eine Männerfreundschaft. Nicht immer sind Neuankömmlinge in einer Stadt willkommen. Jan Ottmanns ist mit seiner alleinerziehenden Mutter, die immer wieder ihre Jobs, aber auch ihre Männer wechselt, ins Landshut der 70er Jahre gekommen. Und er ist recht bald an Gregor Luckner geraten, den um Anerkennung buhlenden Sohn eines patriarchisch agierenden, mittelständischen Industriellen.

Genau genommen sind die beiden aneinander geraten. Am Maxwehr. Und bei den folgenden Handgreiflichkeiten sind sie in die Isar gefallen. Obwohl Gregor den Streit angezettelt hat, hilft ihm der tatkräftige Jan in einer lebensbedrohlichen Rettungsaktion wieder aus dem reißenden Fluss. Diese Geste schweißt die beiden zusammen: "Auf immer und ewig und einen Tag". So heißt auch der Film, für den in den vergangenen Tagen am Isargestade gedreht wurde.

Nicht einmal eine Minute dauert später im Film die dramatische Rettungsaktion unmittelbar vor den Wehrklappen des Maxwehrs. Doch um der Szene Tempo und Dramatik zu verleihen, muss sie schnell geschnitten werden. Dazu benötigt der Cutter viele verschiedenen Einstellungen, die alle am Dienstag gedreht wurden. Fast den ganzen Tag benötigte das Team um Kameramann Jo Heim, um die kämpfenden und immer weiter abtreibenden Darsteller in 16 verschiedenen Einstellungen aufzunehmen. Immer wieder mussten die beiden Darsteller Ludwig Trepte und Enno Hesse ins kalte Wasser, das kurz vor dem Wehr einen auch für die Darsteller nicht ungefährlichen Sog entwickelt. Den ganzen Drehtag lang waren deshalb Helfer des Technischen Hilfswerks mit ihrem Boot auf dem Sprung, um den Darstellern schnell Hilfestellung gegen das Abtreiben geben zu können.

Actionszenen im Wasser verlangen von Darstellern und Aufnahmecrew höchste Konzentration. Schon lange vor den Dreharbeiten hatten die beiden Schauspieler Schwimmtraining genommen, um gegen die Strömung am Wehr halbwegs bestehen zu können. Als Stuntkoordinator hatte der aus Landshut stammende Mac Steinmeier, einer der Großen unter den deutschen Stuntmen, die Bedingungen in der ziemlich kühlen Isar analysiert. Ludwig Trepte und Enno Hesse hatten eigens angepasste Neopren-Anzüge unter ihrer Kleidung, damit sie der Kälte des Flusses länger widerstehen konnten. "Das war eine echt starke Leistung von den Jungs", sagte Produzent Uli Aselmann, dessen d.i.e.film.gmbh im Auftrag des ZDF den 4,2 Millionen Euro teueren Film herstellt. "Das war wirklich nicht angenehm, aber sie haben es mit Fassung und am Abend mit Humor genommen."

Warum Landshut ? "Wir hatten verschiedene Städte dieser Größe besucht, die an einem reißenden Fluss liegen, und hier die besten Bedingungen gefunden", sagte Producerin Eva Wehrum. In Landshut gebe es noch viele Flecken, die ohne moderne Architektur und damit geeignet für Aufnahmen mit einem zeit-neutralen Hintergrund sind. Die Bauten des Maxwehrs selbst, auch der Bahnhof und das Gebäude am Orbankai, in dem Jan und seine Mutter laut Drehbuch wohnen, hätten so gut gepasst, dass man die Freundschaft in Landshut beginnen ließ - der Name bleibt im Film. Sechs von 54 geplanten Drehtagen war das Team in Landshut. Später, wenn die beiden erwachsenen Freunde - dargestellt von Heino Ferch und Fritz Karl - an den Ausgangspunkt ihrer Freundschaft zurückkehren, kommt Landshut immer wieder ins Bild. Weitere Darsteller sind Martina Gedeck, Juliane Köhler und Henry Hübchen.

Auf immer und ewig und einen Tag" ist nicht nur ein Film über eine Männerfreundschaft, die auch noch die gleiche Frau lieben, es soll auch "exemplarisch deutsche Zeitgeschichte in den vergangenen dreißig Jahren vor Augen führen", wie es in den Produktionsnotizen heißt. Es gehe um die jeweiligen Lebensgefühle, eine authentische Ausstattung und die dazugehörige Popmusik. Drehbuchautor Christian Jeltsch erzählt seine epische Zeitreise in Rückblenden. Denn am 11. September 2001 nimmt Gregor Luckner für seinen Freund, den Investment-Banker Jan Ottmanns, einen Geschäftstermin im World Trade Center wahr. Als die Boing 767 in den Nordturm kracht, starrt dieser fassungslos auf den Fernseher. Und er will einfach nicht glauben, dass sein Freund tot ist?

Georg Soller

Bericht: Landshuter Zeitung 28.05.2005
Bilder: Landshuter Zeitung 28.05.2005