Was hinter der Faszination Helfen steckt
THW-Präsident Dr. Georg Thiel ehrte zwei engagierte Mitglieder und die Jugendgruppe. Doppelten Grund zum Feiern hatte das Technische Hilfswerk (THW) am Samstag: Zum einen wurden mit Klaus Kollmeder und Walter Meier zwei erfahrene Stützen des Ortsverbands mit dem Ehrenzeichen in Bronze ausgezeichnet. Zum anderen bekam die Jugendgruppe den Award für die beste THW-Jugend-Homepage. Zu der Verleihung kam erstmals THW-Präsident Dr. Georg Thiel nach Landshut. Beim Festakt auf der Burg Trausnitz würdigte er die gute Jugendarbeit in den Ortsverbänden. Der Landshuter Ortsverband ist nicht irgendwer im Gefüge des THW: Er zählt zu den größten Ortsverbänden in ganz Bayern, die Jugendgruppe ist gar die größte in ganz Deutschland. Und so waren am Samstag neben den Landshuter Helfern auch viele Vertreter des Landesverbands gekommen. "Es ist alles blau heute", sagte Ortsbeauftragter Rudolf Skalitzky und schob nach: Das THW mit seinen blauen Uniformen "ist heute in großer Zahl vertreten".

Dr. Georg Thiel sprach von der "Faszination Helfen", die sich das THW zum Motto gemacht hat. Seit der Gründung vor mehr als 50 Jahren habe sich das Hilfswerk zu einer Organisation entwickelt, die weltweit gerne gerufen werde. In den vergangenen drei Jahren seien die Helfer vier Mal in die Welt aufgebrochen - zuletzt nach der Flutkatastrophe in Südostasien. Thiel sprach dabei vom bisher komplexesten Einsatz (siehe auch Bericht auf Seite 28) : "Das THW hat gezeigt, was es mit der Faszination Helfen auf sich hat." Es sei keine Frage, so der Präsident, die Faszination Helfen benötige Technik und Fahrzeuge, "was sie aber vor allem braucht, sind Helfer". Mit Klaus Kollmeder und Walter Meier wurden am Samstag besonders engagierte Mitglieder des Ortsverbands ausgezeichnet (siehe eigener Bericht) . Bürgermeister Ludwig Zellner würdigte die beiden Geehrten als Vorbilder und Leistungsträger. Zudem dankte Zellner dem THW für die vielfältigen Tätigkeiten in Landshut, der Region und weltweit.

Keine Nachwuchsprobleme

Der Präsident habe die Vision, die beste Einsatzorganisation weltweit zu werden, sagte Rudolf Skalitzky. Dieses Ziel sei zwar hoch gesteckt, aber nicht unerreichbar: Denn das THW gehe für eine Behörde neue Wege. So kämen zu einer umfassenden Ausbildung und einer sachgerechten Ausstattung auch moderne Managementtechniken oder Budgetierung. Aber nicht nur mit diesen Ansätzen stellt sich das Technische Hilfswerk der Zukunft: Dazu gehört auch, die Jugend von der Faszination Helfen zu überzeugen. Ein spezielles Jugendprogramm sorgt dafür, dass das THW keine Nachwuchsprobleme hat. Es wird nach den Worten des Präsidenten einiges dafür getan, dass die Jugend im THW eine Zukunft hat. So wurde vor über 20 Jahren die erste Jugendgruppe gegründet, es wird darauf geachtet, dass die Jugendleiter gut ausgebildet sind und dass alle eine einheitliche Jugendkleidung haben. Der Erfolg spricht für das Motto "Spielend helfen lernen": Die Jugendgruppen haben heute bundesweit 15 000 Mitglieder, der Zuwachs betrug in den vergangenen Jahren mehr als zehn Prozent. Und jede dritte Führungsposition komme heute aus der Jugend, sagte Dr. Thiel: "Das sind ganz enorme Zahlen, die nicht am runden Tisch entstanden sind. Es ist die Arbeit der Jugendbetreuer und Ortsverbände."

Der größte Mädchenanteil

Auch in diesem Bereich leistet Landshut hervorragende Arbeit: Die Jugendgruppe ist mit 67 Mitgliedern nicht nur die größte Jugendgruppe; sie hat zudem den größten Mädchenanteil. Die Mitglieder sind zwischen zehn und 17 Jahre alt und werden spielend an die Technik herangeführt: Dazu gehört die Säge ebenso wie moderne Informationstechniken, sagte Thiel - von GPS bis zum Internet. Deshalb sei vor einigen Jahren ein Homepage-Wettbewerb ins Leben gerufen worden. Bei dem ersten Wettbewerb hat Landshut den dritten Platz belegt, bei dem diesjährigen unter 40 Gruppen "mit Abstand den ersten Platz". Wie Thiel würdigte, werde www.thw-jugend-landshut.de nicht nur dem hochtechnischen Anspruch gerecht, die Seite glänze auch durch viele Informationen und ein ansprechendes Programm. Thiel überreichte Walter Behmer, Felix Schwaiger und Marc-Andre Ciesiolka stellvertretend für die Gruppe eine Urkunde; zudem wird das Internet-Team nach Berlin eingeladen.

Im Anschluss an den Festakt im Weißen Saal, an dem mehr als 200 Gäste teilnahmen, zeigten die Jugendlichen im Burginnenhof den Umgang mit der herkömmlichen Technik. Aus einzelnen Brettern, Rundhölzern und Leinen bauten sie mit flinken Handgriffen einen so genannten Chinasteg, mit dem man unwegsames Gelände überqueren kann. Sie arbeiteten am Hebekissen ebenso wie am Stromaggregat, bauten erst zwei Dreifüße und damit schließlich eine Dusche und stellten aus einigen Stangen und Planen ein Zelt auf. Das ist für die Jugendlichen schon durch die unterschiedlichen Zeltlager kein Problem. Denn auch das gegenseitige Kennenlernen und der Spaßfaktor kommen bei der THW-Jugendgruppe nicht zu kurz.

Sigrid Hagl

Bericht: Landshuter Zeitung 02.05.2005
Bilder: THW Landshut