Frischwasser: Das THW nutzt modernste Technik
In Sri Lanka und auf den Malediven laufen sie bereits auf vollen Touren: die Trinkwasseraufbereitungsanlagen des THW. In der indonesischen Stadt Medan werden derzeit Fahrzeuge und Material zusammengezogen, das in den nächsten Tagen im Katastrophengebiet in der Provinz Banda Aceh zum Einsatz kommt.

In Sri Lanka sind Aufbereitungsanlagen mit einer Kapazität von 6.000 Litern pro Stunde im Einsatz

Das 17-köpfige Team der Schnell-Einsatz-Einheit-Wasserversorgung-Ausland (SEEWA) ist seit dem 29. Dezember auf Sri Lanka tätig. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Instandsetzung verschlammter Brunnenanlagen. Über 50 Brunnen sind bereits wieder nutzbar. Mit einer Kapazität von 225.000 Litern pro Tag versorgt das THW zudem in Galle und Umgebung eine Schule sowie ein Krankenhaus mit Wasser. Insgesamt werden rund 4.000 Menschen mit Wasser versorgt.

Auf Sri Lanka sind derzeit zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen im Einsatz, die mit Filtern arbeiten. Dabei handelt es sich um sehr robuste Anlagen zur Aufbereitung von verschmutztem Wasser. Sie sind daher besonders gut für den Einsatz in Notsituationen geeignet. Die chemische Vorbehandlung des Schmutz- beziehungsweise Rohwassers wird in faltbaren Behältern vorgenommen und ermöglicht die Behandlung stark verschmutzten Oberflächen- oder Brunnenwassers in sehr kurzer Zeit. Nach der chemischen Vorbehandlung wird das Wasser gefiltert. Keime werden ebenfalls abgetötet. Stündlich können pro Trinkwasseraufbereitungsanlage bis zu 6.000 Liter Wasser gereinigt werden.

Die THW-Fachgruppen Trinkwasseraufbereitung und die SEEWA führen eigene Laboratorien und Personal zur Analyse der Wasserqualität mit. Das ermöglicht die genaue Dosierung von chemischen Zusätzen wie Eisen-III-chlorid, Silbernitrat, Aktivkohle oder Marmorkalkhydrat, die dem in faltbare Behälter gepumpten Rohwasser zugegeben werden. Schwebstoffe und Verunreinigungen werden gebunden und sinken zu Boden. Die Dauer der so genannten Sedimentation hängt von der Qualität des Wassers ab und dauert etwa 20 bis 40 Minuten.

Das vorbehandelte Rohwasser wird durch Filtertanks gepumpt, in denen sich das feinkörnige Filtermaterial Berkesil befindet. Ähnlich der Filtration von Regenwasser im Boden durch Erde und Kies, wird das Rohwasser mit Hilfe des Berkesil gereinigt und gelangt anschließend in die Reinwasserbehälter. Dem Wasser kann zur Desinfektion Chlor zugefügt werden.

Malediven: Umkehrosmoseanlagen bringen 500 Liter sauberes Wasser pro Stunde
Auf den Malediven ist seit Sonntag im Auftrag der Europäischen Union ein 24-köpfiges Trinkwasser-Expertenteam im Einsatz. Auf den Atollen Meemu und Thaa sind vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen mit einer täglichen Gesamtkapazität von rund 30.000 Litern in Betrieb. Das Wasser wird mit Booten auch auf die umliegenden Inseln verteilt.

Die auf den Malediven eingesetzten Waterclean-Anlagen funktionieren nach dem Prinzip der Umkehrosmose und liefern auch unter widrigsten Bedingungen Trinkwasser. Technisch bedingt haben sie im Vergleich zur Aufschwemmfiltration ein geringeres Leistungsvermögen. Pro Stunde können 500 Liter Reinwasser gewonnen werden. Der Vorteil: Durch die Umkehrosmose wird sogar salzhaltiges Meerwasser trinkbar. Die Waterclean-Anlagen arbeiten zurzeit auf den Atollen Meemu, Thaa/Vilufushi und Ashavayani/Manushi.

Das Herzstück der Waterclean-Anlage ist ein Membranfilter, der nach dem physikalischen Prinzip der Umkehrosmose funktioniert. Seine Poren sind so fein, dass unter hohem Druck nur Wassermoleküle passieren können. Auf diese Weise werden Bakterien, Viren, Kalk, Schwermetalle und Pestizide sicher zurückgehalten. Auch Salz lässt sich auf diese Weise abscheiden.

Zum Schutz der Membran und zur weiteren Verbesserung der Reinigungsleistung kann die Anlage je nach Art und Grad der Verunreinigung des Wassers zusätzlich mit unterschiedlichen Vorfiltern ausgestattet werden. Grobstoffe bis zu einer Partikelgröße von rund 20 µm werden von einem Media-Sand-Filter abgeschieden. Der Aktivkohlefilter wird eingesetzt, um die Membran vor Chlor im Rohwasser zu schützen und Pestizide, Herbizide und Kohlenwasserstoffe vollständig zu absorbieren.

Banda Aceh: Gesamtes Spektrum kommt zum Einsatz

In der schwer zugänglichen Provinz Banda Aceh nimmt in den nächsten Tagen ein insgesamt 39-köpfiges THW-Team die Arbeit auf. Die auf die Bereiche Trinkwasserversorgung und Infrastruktur spezialisierten THW-Experten werden die örtlichen Hilfskräfte beim Wiederaufbau lebensnotwendiger Infrastruktur unterstützen. In Kooperation mit dem deutschen Feuerwehrverband wird das Team von zwei Fachleuten der Feuerwehr begleitet. Das Spezialgerät, Fahrzeuge sowie Kommunikationstechnik, Werkzeuge und weiteres Material wird in den nächsten 24 Stunden in das Einsatzgebiet verlegt. Zum Einsatz kommen sechs Trinkwasserversorungsanlagen sowie drei Umkehrosmoseanlagen. Damit verfügt das THW in der Katastrophenregion im Bereich der Trinkwasseraufbereitung über eine Gesamtkapazität von über 900.000 Litern Wasser pro Tag.

05.01.2005
THW