THW feiert 60-jähriges Bestehen
Der Ortsverband feierte mit einem Festakt auf der Burg Trausnitz sein 60-jähriges Bestehen

Man schreibt das Jahr 1952: Der Koreakrieg erschüttert Asien, bei den Olympischen Spielen in Oslo und Helsinki dürfen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Sportler mitmachen, am 24. Juli erscheint die allererste Ausgabe der "Bild"-Zeitung. Und in Landshut gründen engagierte Bürger einen Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW). Grund genug, 60 Jahre später dieses Ereignis im Rahmen eines Festaktes auf der Burg Trausnitz entsprechend zu würdigen. Alle Redner strichen dabei die große Bedeutung des Ehrenamtes für die Gesellschaft heraus: "Das Ehrenamt ist die Seele des THW", sagte Stephan Stracke, der Vorsitzende der THW-Landesvereinigung Bayern.

Es waren viele warme Worte, die die Verantwortlichen des Ortsverbandes am Samstagmorgen zu hören bekamen: "Der Veranstaltungsort ist hervorragend gewählt: Denn so wie die Burg steht das THW für Wehrhaftigkeit, Sicherheit und eine lange Tradition", lobte Stracke. Die heutige Feier sei zum Glück kein Schlusspunkt, sondern ein wunderbarer Markstein. Für das Ehrenamt wünschte sich Stephan Stracke eine "größere Anerkennungskultur" in Deutschland.

Der Berliner THW-Präsident Albrecht Broemme blickte in seiner mit Pointen gespickten Festrede nochmals auf das Jugendlager in Landshut in diesem Sommer zurück: "Das war für Sie eine besondere Herausforderung, so viele Jugendliche zu betreuen. Sie waren ein großartiger Gastgeber." Überhaupt sei der Ortsverband als "hoch motiviert und sehr leistungsfähig" bekannt. Die anwesenden Medien begrüßte er auf seine bekannt trockene Art: "Ich heiße Sie hier herzlich willkommen. Und ich verspreche Ihnen, dass ich morgen nicht bei Ihnen anrufe, um Ihnen zu sagen, was Sie drucken dürfen und was nicht." Im ernsteren Teil seiner Festrede kritisierte Broemme, dass das Technische Hilfswerk heute Arbeiten übernehmen müsse, die eigentlich Aufgabe des Staates seien. So würden derzeit beispielsweise in Mönchengladbach Flüchtlinge in Fahrzeughallen des THW untergebracht und betreut, weil sich die Stadt nicht um diese Menschen kümmere.

Der Ortsbeauftragte Rudolf Skalitzky hatte zu Beginn der Veranstaltung auf die Gründerzeit des THW in Landshut zurückgeschaut. "Anfangs gab es noch keine Ausstattung, keine Geräte und Fahrzeuge. Die Helfer waren flächendeckend auf private Unterstützung angewiesen", sagte Skalitzky. Dies habe sich erst im Laufe der Jahre geändert. Der treibende Gedanke des Handelns sei stets der Zivilschutz gewesen.

1982 erfolgte die Gründung des THW-Helfervereins. Auch dieses Jubiläum wurde übrigens am Samstag gefeiert. "Mit ihren drei tragenden Säulen - Anstalt, Verein und Jugend - war die THW-Familie in ihrer heutigen Konstellation komplett", sagte Skalitzky. Erst 1990 sei jedoch das THW-Helferrechtsgesetz geschaffen worden: "Endlich gab es nun die gesetzliche Grundlage mit der Aufgabendefinition: Technische Hilfe im Zivilschutz, im Ausland und bei Katastrophen und Unglücksfällen sind seitdem der gesetzliche Auftrag des Technischen Hilfswerks."

"Es gibt immer noch viel zu tun!"
Mit dem Wegfall der Wehrpflicht und dem damit verbundenen Wegfall der Freistellungsmöglichkeit durch die Dienstverpflichtung in einer Hilfsorganisation habe die Politik dem THW ein neues Problem beschert. "In Bayern bedeutet dies jährlich rund 25 Prozent weniger Neuzugänge an Helfern", sagte Skalitzky. Allerdings habe dies auch eine positive Auswirkung: "Diejenigen, die jetzt wirklich freiwillig kommen, sind auch williger, diesen Dienst auszufüllen." Abschließend sagte er: "Uns ist bewusst: Es gibt immer noch viel zu tun!"

Grußworte sprachen im Anschluss der stellvertretende Landesjugendleiter Sebastian Gold, Stadtbrandrat Erich Gahr von der Feuerwehr Landshut, Manfred Daniel, und Oberbürgermeister Hans Rampf. Ernst Eck lieferte einen ausführlichen Dia-Rückblick mit vielen Eindrücken von 60 Jahren THW Landshut. Umrahmt wurde der Festakt musikalisch vom Willi-Hettler-Trio.

Bericht: Bernhard Beez. (Landshuter Zeitung vom 29.10.12)
Bilder: Johann Schwepfinger, Paul Emmler jun., Michael Ebner